Neu Isenburg Banner
01.11.2022 erstellt von: Franz Drews


Stadt für Menschen statt für Autos

Vorbildlich im Kreisverkehr

Vierter Park(ing) Day am 16.9.2022 – mal anders von den Aktiven aus ADFC, VCD und WATT-CLUB
Gab´s ihn überhaupt, den Park(ing) Day 2022? Alle Jahre wieder waren seit 2019 die Isenburger Umorganisationen ADFC, NABU, VCD und WATT-CLUB am dritten Freitag im September auf die Frankfurter Straße gezogen und hatten für diesen einen Tag Parkplätze in blühende Begegnungszonen verwandelt – trotz Dauerdurchgangsverkehr und unerträglicher Lärmbelastung. So erlebten es auch live die fünf Bürgermeisterkandidaten, als sie sich am Park(ing) Day 2021 unter der Dorflinde vor dem „Haus zum Löwen“ den Fragen von Jugendlichen und Erwachsenen stellten. Hoffnungsfroh konnten wir vor einem Jahr in der Jubiläumsausgabe des 100. „Isenburger“ ankündigen:
„Ein Lichtblick am Horizont: Nach jahrelanger Diskussion wird ab Januar 2022 endlich die probeweise (!) Einführung von Tempo 30 eine deutliche Lärmentlastung für die Menschen an der Hauptverkehrsader bringen.“
Als allmählich klar wurde, dass dem „Wind of Change“ in der Verkehrswende zum wiederholten Male die Puste ausgehen würde, schlug der ADFC einen alternativen Park(ing) Day vor: Gehen wir doch gleich auf die Straße statt auf die Parkflächen! Gesagt, getan. Und so sah der Park(ing) Day am 16. September 2022 bei uns in Neu-Isenburg aus:


13 bis 15 Uhr Wie sicher sind die Schulwege der Kinder, die mit dem Rad unterwegs sind?
Hier sammelte der ADFC an diesem Freitagmittag interessante Beobachtungen rund um die Goetheschule. So nehmen z.B. Schüler*innen, wenn sie in Gruppen fahren, nicht immer den kürzesten Heimweg. Oftmals begleiten sie erst ihre Freundinnen und Freunde nach Hause und setzen dann ihren Weg fort.
Vier Hauptwege wurden eruiert:
- über die Fußgänger- und Radfahrerampel Offenbacher Str. und dann auf dem Schleifenweg Richtung Buchenbusch
- über den Schutzstreifen Offenbacher Str. bis zum Kreisel am Trieb und/oder weiter in den Westen
- über den (vermeintlich sicheren) Weg an den Grundwiesen Richtung Nordwesten
- über den Triebweg auf sicherem Weg nach Gravenbruch
Positiv fiel den Beobachtern auf, dass die Verkehrsregeln in der Mehrzahl eingehalten wurden.
(Foto vorbildlich im Kreisverkehr)
Und vorbildlich verhielt sich auch eine Mutter, die ihr Kind auf dem Rad begleitete und auf Gefahren aufmerksam machte. Demgegenüber steht das beobachtete Chaos vor der Schule nach Unterrichtsende, im Wesentlichen verursacht von den Elterntaxis. Problematisch bleiben auch die Hauptroute über die Offenbacher Straße und Gefahrenquellen wie die Querung der Frankfurter Straße in Höhe des Luftgäßchen.
Alle Ergebnisse und weiterführenden Beobachtungen werden vom ADFC zur vertieften Diskussion in den neu gegründeten Runden Tisch Nahmobilität eingebracht, um die Schulwege unserer Kinder sicherer zu machen.

15 bis 16 Uhr Fahrradaufstellflächen und Schutzstreifen im Visier
Belohnung und Belehrung – in dieser Reihenfolge engagierten sich fünf Umweltaktive vom WATTCLUB für eine Stunde an der Kreuzung Offenbacher/Herzogstraße. Unterstützt wurden sie dabei von zwei freundlichen Kräften der Stadtpolizei. Wer mit dem Auto vorschriftsmäßig beim Halt an der roten Ampel die markierten Schutzstreifen und Aufstellflächen für Fahrräder beachtete, bekam ein freundliches Dankeschön und ein Merci-Schokobonbon durchs Seitenfenster. „Das mache ich immer so. Ich fahre doch auch Rad und will mich sicher fühlen“, so die häufigste Reaktion. Wer auf der roten Fläche anhielt oder gar in den Kreuzungsbereich fuhr, erhielt das städtische Infoblatt „Schutzstreifen – Nebeneinander statt Gegeneinander“ – und zusätzlich eine Süßigkeit, um es beim nächsten Mal besser zu machen. ( Foto Aufstellfläche)
Denn offensichtlich war vielen Autofahrenden nicht klar, dass für sie der Schutzstreifen und die Fahrradaufstellfläche beim Halten immer tabu sind: „Ich dachte, ich kann da halten, wenn kein Radfahrer draufsteht.“ 75 verteilte Infoblätter und doppelt so viele „Guudsje“ – ein schönes Ergebnis für einen etwas anders gestalteten Park(ing) Day.

16 bis 17 Uhr Abstand halten
Das gilt nicht nur in Corona-Zeiten, sondern ist beim Überholen von Radfahrenden für PKW gesetzlich vorgeschrieben. Nachdem ein Wolkenbruch vorüber war, klemmten sich einige Umweltaktive bei einer „Nudelfahrt“ leuchtend bunte Schwimmnudeln quer über den Gepäckträger und fuhren mit diesen gut sichtbaren Abstandshaltern durch die Stadt. (Foto Nudelfahrt)
Autofahrende sollten daran erinnert werden, dass beim Überholvorgang innerorts ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden muss. Auf der Frankfurter Straße ist dann ein erlaubter Überholvorgang kaum mehr möglich, was manche zu waghalsigen Manövern veranlasste. Viele Radfahrende fühlen sich deshalb unsicher und trauen sich gar nicht mehr auf die Frankfurter. Andere wiederum beobachten seit Einführung des gesetzlichen Mindestabstands von 1,5 m mehr Rücksichtnahme bei Überholvorgängen, vor allem auf den Nebenstraßen. Verstärkte Kontrollen sind in jedem Fall wichtig, so die Erfahrungen der AFDC-Aktiven.

17 bis 18 Uhr Parke nicht auf unseren Wegen
Unter diesem Blickwinkel gingen drei Aktive von WATTCLUB und VCD mit dem Zollstock auf Spurensuche. Galt bis 2020 für Bürgersteige eine Mindestbreite von 1,5 m, so sind in neuen Baugebieten jetzt sogar 2,5 m vorgeschrieben. Wie sieht es bei uns auf den Gehwegen für radelnde Kinder aus und für Menschen, die zu Fuß, mit Rollator, Rollstuhl oder Kinderwagen unterwegs sind? Die Gruppe nahm das Gebiet westlich der Hugenottenallee und nördlich der Bahnhofstraße unter die Füße. Ein Blick auf die Stoltzestraße zeigt exemplarisch die ganze Problematik: Auf dem nördlichen Bürgersteig ist Gehwegparken erlaubt, aber die Markierungen sind kaum noch sichtbar. Oft bleibt zwischen dem geparkten Fahrzeug und der Hauswand nur ein „Bürgersteigstreifen“ von 80 cm übrig!
(Foto Gehwegparken) Auf der südlichen Seite der Stoltzestraße wird ebenfalls auf dem Gehweg geparkt, obwohl es dort nicht erlaubt ist. Ein vorbeikommender Passant bemerkte während der Begehungstour verärgert-resigniert: „Sie sollten mal in drei Stunden vorbeikommen, dann ist hier alles zugeparkt, sogar die Kreuzung. Und das, obwohl hier viele eine Einfahrt bzw. eine Garage besitzen; geparkt wird davor.“ Die Aktiven wollten mit ihrer Aktion am Park(ing) Day die Fußgängerinnen und Fußgänger in den Fokus rücken, denn zu Fuß gehen ist unsere natürlichste Fortbewegungsart. Und sie haben zwei Wünsche: „Wir wünschen uns von der Stadt eine Neuordnung des ruhenden Verkehrs zugunsten der Fußgänger und von unseren autofahrenden Mitbürgern mehr Umsicht beim Parken.“

Das Fazit: Der etwas andere Park(ing) Day im Jahr 2022 war ein Augenöffner. Er hatte zum Ziel, das Bewusstsein für die ungleiche Verteilung des öffentlichen Raumes zu schärfen – ein Ziel, das sich im Alltag bewähren muss. Nur wenn die gesetzlichen Vorschriften eingehalten und kontrolliert werden, ist ein gleichberechtigtes und von gegenseitigem Respekt getragenes Miteinander möglich.
Dafür werden wir uns weiterhin stark machen!




Bildergalerie

AufstellflächeNudelfahrt 2022Gehwegparken

63-mal angesehen




© ADFC 2022

Banner Mitglied werden
Holzmann
LARA